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Idealtypus ArtikelDer Idealtypus (auch: Idealtyp) ist ein von Max Weber erdachtes Begriffswerkzeug zur Behandlung sozialer Tatbestände. Da allerdings mit Begriffen die vielfältigen Ausprägungen von sozialen Phänomenen kaum zu beschreiben sind, hat Weber als besonderen Typ den Idealtypus in seinen soziologischen Arbeiten benutzt. Kontrastierend erscheint bei ihm (weniger ausgearbeitet) der Realtypus (Realtyp).
Darstellung und Abgrenzung des Begriffs Idealtypus | |
Ein Idealtypus ist eine exakte Beschreibung eines sozialen Tatbestands, wie zu dem Beispiel der Herrschaft oder Bürokratie. Er beinhaltet akzentuierte wesentliche Charakteristika dieses Tatbestands und erleichtert dadurch das Verstehen und Erklären eines Realtypus. Er ist demnach keine Definition. Einem anderen Ansatz folgt der Normaltyp von Ferdinand Tönnies.
Hat man erst einmal einen Idealtypus definiert, kann man damit eine systematische Analyse eines Gegenstandsbereichs durchführen. Dabei beschreibt man jeweils die Abweichungen vom Idealtypus. Der Vorteil des Idealtypus liegt darin, dass er eine exakte Beschreibung ermöglicht und sich nicht auf häufig zweideutige Begriffe stützen muss.
Der Begriff des Idealtypus selbst ist allerdings missverständlich, da er umgangssprachlich einen idealen Typus nahe legt, d. h. normativ genommen werden könnte.
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Zur Konstruktion des Idealtypus | |
Die Kategorien und Gesetze, die die Gesellschaftwissenschaften bieten, sind nach Weber reine Gedankenbilder, die in ihrer begrifflichen Reinheit in der Wirklichkeit nirgends empirisch auffindbar sind. Sie vereinigen "bestimmte Beziehungen und Vorgänge des historischen Lebens zu einem widerspruchslosen Kosmos gedachter Zusammenhänge". Diese gedanklichen Konstruktionen entstehen nicht durch einfache Zusammenfassung des Gemeinsamen in vielen Erscheinungen oder durch Durchschnittsbildung, sondern durch
- Stilisierung,
- Erfassen des Charakteristischen und
- die "gedankliche Steigerung bestimmter Elemente der Wirklichkeit".
Die so entstehenden Gedankenbilder sind nach Weber keine Darstellung und keine Widerspiegelung der Wirklichkeit, sondern Fiktionen. Die Heraushebung einzelner Elemente erfolgt nicht gemäß einer historischen Wirklichkeit, sondern gemäß den Erkenntnisinteressen des Subjekts. Andererseits aber darf nach Weber das Gedankenbild keine Gedankenspielerei sein und die Wirklichkeit nicht ignorieren.
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Zur kritischen Analyse des Weberschen Idealtypus und seiner Kriterien | |
Hierzu ist festzustellen, dass es sich beim Idealtypus um einen buntschillernden Begriff handelt, der korrekte und inkorrekte, zu dem Teil widersprüchliche Ansichten zu verschiedenen methodologischen, erkenntnistheoretischen und ideologischen Aspekten der gesellschaftswissenschaftlichen Begriffsbildung vermengt:
- 1. Weber sieht korrekt, dass Begriffs- und Theorienbildung sich nicht in einfacher Zusammenfassung von empirisch Gegebenem erschöpfen, sondern dass sie schöpferisch geistige Leistung, Idealisierung und Modellbildung einschließen und dass dabei auch die Erkenntnisinteressen des Subjekts eine Rolle spielen. Soweit der Begriff des Idealtypus ca. diese Seite der Begiffsbildung erfasst, spricht er ein reales erkenntnistheoretisches Problem an. Allerdings handelt es sich hier um ein Problem, das sowohl in der naturwissenschaftlichen als auch in der gesellschaftwissenschaftlichen Erkenntnis auftritt, wenn sich mit ihm auch in letzterer besondere Schwierigkeiten verbinden.
- 2. In der weiteren Frage, wie sich die so entstehenden "Gedankenbilder" zur Wirklichkeit verhalten, ob sie einer Wirklichkeit entsprechen, ob sie die Struktur und Dynamik realer Prozesse in ihren Grundzügen widerspiegeln, nimmt Weber einen agnostizistischen Standpunkt ein, den er allerdings durch einige Hinweise ("die Wirklichkeit nicht ignorieren") verhüllt. In Bezug auf diesen Aspekt des Problems dient der Begriff des Idealtypus also dazu, einen bestimmten philosophischen Standpunkt zu manifestieren.
- 3. Die unter 1. und 2. genannten allgemeinen erkenntnistheoretischen Probleme vermengt Weber nun mit der Frage nach der Spezifik sozialwissennschaftlicher Begriffsbildung, wo seine Konzeption des Idealtypus eindeutig agnostizistisch, idealistisch und konservativ wird. Hier nämlich geht Weber von der neukantianischen Auffassung aus, dass sich Gesellschaft und Geschichte den Wissenschaften als ein Strom einmalig-individueller, unwiederholbarer Ereignisse darstellen, der nicht rational erfassbar ist und im insbesondere keine Linien aufgewiesen werden können. Hier können nach neukantianischer Auffassung ca. individuelle Ereignisse beschrieben und in dem Sinne eines an sich fiktiven "Als-ob" gedanklich geordnet werden. Dabei handelt es sich um die Ordnung einer irrationalen Realität mittels einer rationalen Konstruktion, der aber, wie Weber verschiedentlich betont, keine reale gesetzmäßige Ordnung und kein realer gesetzmäßiger Prozess entspricht.
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Zur Kritik des Idealtypus | |
Wissenschaftstheoretisch abweichend hat Ferdinand Tönnies den Normaltyp eingeführt, der gelegentlich auch ideeller Typ genannt wird.
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Weiteres zu dem Artikel Idealtypus | | Andere Leser interessierten sich auch für folgende Beschreibungen: | Begriffen, Beschreibung, Dynamik, Elemente, Ferdinand, Frage, Geschichte, Herrschaft, Idealisierung, Kategorien, Ordnung, Reinheit, Rolle, Sinne, Weber | | Schnellzugrif auf verwandte Texte: | | | NEU! Frage im Forum zum Thema: | | Wenn die Beschreibung 'Idealtypus' Ihrer Meinung nach nicht korrekt ist oder in aktueller Version Fehler enthalten sind oder es fehlt die Idealtypus Definition, dann klicken Sie bitte auf "Beschreibung bearbeiten" und schreiben Sie die Eigene Version des Textes. Die Änderungen in der Beschreibung werden sofort aktiv und für alle sichtbar. Ein Administrator wird Ihre Version der Beschreibung und Definition von 'Idealtypus' nachher prüfen. Bitte achten Sie auf die Urheberrechte (Copyright). Wir sind für die besseren Beschreibung von 'Idealtypus' und 'Idealtypus' Definition sehr dankbar.
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